Scha-was?! – So geht Kult in Pfronten

von Sarah (Kommentare: 0)

Die meisten würden es vermutlich als wild, rasant und sicher auch sehr außergewöhnlich beschreiben, definitiv ist es auf jeden Fall eines, und zwar schon ganz lange Kult: das Pfrontener Schalenggen-Rennen. Wer nicht im Allgäu aufgewachsen ist, mag vielleicht an dieser Stelle beim Lesen etwas gestolpert sein und sich ratlos fragen „Scha-was?“. Daher für alle Nicht-Einheimischen eine kurze Einführung in diese spannende Pfrontener Tradition rund ums Schlittenfahren.

Schalenggen sind hölzerne Hörnerschlitten, die ursprünglich im Winter zum Transport eingesetzt wurden. Bis in die 1960er Jahre beförderten die Pfrontener Bauern auf diese Weise große Mengen Holz und Heu von den Bergwiesen und Bergwäldern ins Tal. Die Schlitten wurden dabei so voll wie möglich beladen und dann mit viel Geschick bergab gesteuert. Eine heikle Angelegenheit, die nur zu zweit zu bewältigen war: Während der Vordermann den schweren Holzschlitten navigierte, war der Hintermann hauptsächlich für das Sichern der Ladung und das Bremsen verantwortlich. Aus dieser Tradition heraus ist das größte Allgäuer Schlittenrennen entstanden, das nun ebenfalls schon wieder lange Jahre Tradition hat. Bereits zum 31. Mal findet in diesem Jahr das Pfrontener Schalenggenrennen am 25. Februar ab 12 Uhr im Pfrontener Ortsteil Kappel statt.

Und was an diesem Faschingssamstag dort passiert, muss man einfach mit eigenen Augen gesehen haben: Bis zu 200 Teilnehmer stürzen sich im Kampf um den Siegertitel alljährlich auf ihren Schalenggen einen 1.000 Meter langen und steilen Hang hinab. Was das Ganze besonders herausfordernd macht: Wie ihre historischen Vorbilder haben die Schlitten weder eine Bremse noch eine Lenkhilfe. Spaß und Spannung sind also vorprogrammiert, denn nicht alle Mannschaften schaffen es mit einem heilen Gefährt ins Ziel. Das Ergebnis des Spektakels ist eine bunte Mischung aus Faschingsgaudi, unfreiwilligen Stürzen und urigen Verkleidungen, die jedes Jahr viele Einheimische und Urlauber nach Pfronten-Kappel zieht.  

Mitmachen darf jeder, der einen traditionellen und der überlieferten Form entsprechenden Hörnerschlitten besitzt. Diese werden in Pfronten übrigens auch noch selbst hergestellt. Die Pfrontener Mächler Ulrich Gast und Andre Reichart beherrschen als zwei der wenigen dieses fast ausgestorbene Handwerk.

Übrigens: Genauso viel Spaß wie selbst mitfahren, macht auch das Zuschauen. Neben der gebotenen Unterhaltung durch die Wettkämpfer, die teils historisch verkleidet und mit traditionell vollbeladenen Schlitten an den Start gehen, ist auch für das leibliche Wohl mit Speis und Trank gesorgt.  Zudem bringt ein kostenloser Busshuttle die Besucher vom Bahnhof Pfronten-Ried zum Renngeschehen und auch wieder zurück. Weitere Informationen rund um das Schalenggen-Rennen gibt es hier.

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