Alpine Helden der Berge

von Ingrid Rösner (Kommentare: 0)

Wie sich die Bergwachtler in Pfronten auf die Sommersaison vorbereiten

Nachtübung der Bergwacht

Sie sind zur Stelle, wenn sich Wanderer verirrt, Biker gestürzt, Gleitschirmflieger sich verheddert haben oder Menschen in den Bergen vermisst werden: Die vierzig Retter der Bergwacht Pfronten. 45 Mal sind sie im vergangenen Jahr ausgerückt - im Sommer wie im Winter, bei Tag und bei Nacht. Alles ehrenamtlich. Ihr Einsatzgebiet: Das gesamte Pfrontener Tal mit den umgebenden Bergen bis zu den Burgruinen Hohenfreyberg und Eisenberg. Nebenbei unterstützen sie auch zahlreiche Sportveranstaltungen des Ortes, wie zum Beispiel den MTB Marathon Pfronten am 17. Juni.

Die Bergwacht unterwegs im Gelände

Um Menschen aus alpinem, unwegsamen Gelände zu bergen und sie versorgen zu können, bis die Rettungssanitäter übernehmen, dafür braucht es einiges an Wissen, Erfahrung und vor allem viel Übung. Deshalb stehen im Frühjahr zehn theoretische und praktische Einheiten für die Bergwachtler an, wo sie u.a. ihr medizinisches Wissen auffrischen und den Ernstfall simulieren. Ein Probant wird dazu in den Bergen "ausgesetzt" und muss nach einem vorgegebenen Plan geborgen werden.

Die Bergwacht anno dazumal


Zum Glück hilft moderne Technik heute den Bergrettern bei ihren Einsätzen. Früher war die Arbeit noch viel mühsamer: Nicht nur die Kleidung aus Strickpullovern und Wollhosen musste jedem Wetter trotzen. Die Ausrüstung aus selbstgezimmerten Schlitten und metallenen Gebirgstragen war sperrig und schwer. Die Verständigung ohne Handy und Funk - kaum vorstellbar, wie es die Retter schafften, Menschen aufzufinden und zu bergen. Trotzdem ist Bergrettung auch heute ein Knochenjob und emotional sehr anstrengend.


Die Bergwacht anno dazumal


Wer sich aus dem Hubschrauber abseilt, braucht eine Spezialausbildung, ebenso für den Einsatz an Seilbahnen, Sesselliften oder in Höhlen. Hundeführer üben mit ihren Rettungshunden die Suche von Verschütteten oder Vermissten.


Verletztenbergung mit dem Hubschrauber


Immer mehr Menschen begeistern sich für's Wandern, Bergsteigen oder Klettern in den Allgäuer Alpen. Das heißt auch mehr Einsätze für die Bergretter. "Meist sind wir im Einsatz, weil  Wanderer erschöpft sind oder sich etwas verstaucht oder gebrochen haben", meint Franz Dopfer, der seit März Bereitschaftsleiter der hiesigen Bergwacht ist. "Die Leute sind oft schon gesundheitlich vorbelastet und überschätzen sich. Dabei gibt es hier in Pfronten so viele schöne Wanderwege, die auch von Ungeübten problemlos gegangen werden können. "


Übung im Gelände


Immer wieder erleben Franz Dopfer und sein Team, dass die Wanderer mit schlechtem Schuhwerk und unpassender Kleidung unterwegs sind. "Hier in den Bergen muss man einfach damit rechnen, dass das Wetter schnell wechseln kann. Außerdem sollte jeder seine Tour gut planen und sich nicht so viel vornehmen."


Gruppenfoto der Bergwachtler


Im Wochenrhythmus haben die Mitglieder, zu denen übrigens acht Frauen gehören, Bereitschaft und werden per Funk alarmiert, wenn jemand in Not geraten ist. Obwohl der Dienst zeitaufwändig und die Ausbildung intensiv ist, interessieren sich auch junge Leute für das Ehrenamt. Voraussetzung ist, dass die Anwärter bereits im alpinen Geländer klettern und Ski fahren können.


Enzianblüte


Wichtiger Teil der Ausbildung ist der Naturschutz in den Bergen. Ein Bergwachtler sollte geschützte Pflanzen und die Schutzgebiete der Tiere kennen. Früher gab es noch einen Wachdienst, damit keiner Enzian, Frauenschuh oder Knabenkraut, eine Allgäuer Orchideenart, klaut und an Blumenläden verkauft. Heute setzt man darauf, dass die Wanderer wissen, wie gefährdet viele Arten sind und dass sie im heimischen Garten sowieso nicht gedeihen würden.


Knabenkraut



Bildnachweis:
1 - 7 Bergwacht Pfronten, 8 - 10 Ingrid Rösner

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